Symposium Frédéric Chopin

Am Wochenende vom 21. bis 23. Mai 2010 veranstaltete die Internationale Akademie für musikalische Bildung e.V. Karlsruhe anlässlich des 200. Geburtstages von Frédéric Chopin ein dreitägiges Symposium mit Vorträgen, Workshops und Konzerten, das die Thematik vielfältig beleuchtete.

Prof. Peter Feuchtwanger, weltweit anerkannter Klavierpädagoge und Jurymitglied vieler internationaler Klavierwettbewerbe, erinnerte mit seinem Vortrag Belcanto auf einem Schlaginstrument an eine Gesangskunst, die zweifellos großen Einfluss auf Chopin ausübte. Feuchtwangers große Empathie in den Kompositionsstil Chopins und seltene Aufnahmen machten eine Kultur des Klavierspiels lebendig, die großenteils verloren gegangen ist.

Prof. Günter Reinhold, Präsident der Akademie und über vier Jahrzehnte an der Musikhochschule Karlsruhe tätig, überzeugte die Teilnehmer mit seinem Vortrag Chopin-Préludes in der Interpretation von Alfred Cortot von der hohen Interpretationskunst dieses Pianisten. Günter Reinholds Kenntnis resultiert aus der Tatsache, dass er viele Konzerte von Cortot besuchte und bei ihm studierte. Die Projektion der Faksimile parallel zur Interpretation der Musik verstärkte den Eindruck, unmittelbar am Entstehungsprozess des Werkes beteiligt zu sein.

Ganz im Sinne von „work in progress“ erläuterte Prof. Peter Feuchtwanger motivische und thematische Zusammenhänge in den Balladen g-Moll op. 23 und f-Moll op. 52, die von Teilnehmern des Symposiums vorgetragen und exemplarisch gearbeitet wurden. Peter Feuchtwanger gelang es mit seiner besonderen Sichtweise, die kompositorische Geschlossenheit und Genialität der Klavierwerke Chopins aufzuzeigen.

Mit dem Thema Karol Mikuli und die Chopin-Tradition stellte Prof. Günter Reinhold kritisch zu hinterfragende Thesen in den Raum, unter anderem nach der Bewertung der Rolle von Karol Mikuli als dem selbsternannten Begründer der Chopin-Tradition und Herausgeber der ersten Gesamtausgabe der Werke (1880). Vergleiche mit Erstschriften Chopins und späteren Ausgaben belegten die Darlegungen von Günter Reinhold.

Warren Mailley-Smith, herausragender britischer Pianist der jüngeren Generation und Debütant an der New Yorker Carnegie Hall und der Londoner Wigmore Hall, interpretierte bravourös Frühwerke Frédéric Chopins.Auf dem Programm standen Introduction et Variations sur un air national allemand E-Dur (1824), Polonaise B-Dur op. 71 Nr. 2, Souvenir de Paganini A-Dur (1829) sowie die vier Rondi. Alle im Konzert selten gespielten Werke bestechen durch hohe Virtuosität und eingängige Volksliedhaftigkeit.

Mit ihrer Darstellung der Skizzen einer Klavierschule von Frédéric Chopin, widmete sich Birgit Nerdinger, ehemals Schülerin und Assistentin der beiden Professoren Peter Feuchtwanger und Günter Reinhold, Chopin als Pädagogen. Die Skizzen, bisher nur herausgegeben in französischer Sprache von dem anerkannten Chopin-Forscher Jean-Jacques Eigeldinger und in deutscher Sprache in Alfred Cortot: Chopin. Wesen und Gestalt, bergen wertvolle Informationen, um Chopins unvergleichlichen Umgang mit dem Klavier zu dokumentieren.

Prof. Dr. Fany Solter, Professorin für Klavier und Klavierkammermusik und ehemals Rektorin an der Staatlichen Hochschule für Musik in Karlsruhe, begeisterte die Zuhörer in einem Gesprächskonzert mit ihrer Interpretation der Barcarolle op. 60 und den Zwölf Etüden op. 10. Sie erläuterte Fragen des Inhalts und der Pianistik. Der Abschluss des Symposiums mit diesen gewichtigen Werken des Komponisten hätte besser nicht sein können. Das abschließende Roundtable bekräftigte den Dialog zwischen den Referenten und Teilnehmern und rundete die rundum erfolgreiche Veranstaltung ab.